Dr. Wolfgang Leupold

Prüfer für russische und sowjetische Philatelie

Augen auf beim Markenkauf!

Aus gegebenem Anlass möchte ich unsere Mitglieder wieder einmal darauf aufmerksam machen, daß es nicht nur bei Käufen im Internet gilt, die Augen auf zu machen. Gerade in der Preisklasse 50 – 250 Euro finde ich regelmäßig verschiedenste Fälschungen in Auktionskatalogen. Nachfolgend ein markantes Beispiel. So wurden aus einer Sammlungsauflösung eine Reihe guter Stück unseres Sammelgebiets angeboten,  z. B. die Blöcke 11 A, 11B, 13 usw. Danach folgten dann „groß aufgemacht“ die unten vorgestellten modernen Raritäten, die alle samt angeblich so selten  sind, daß sie noch nicht einmal im Katalog stehen!

Bild 1. Ausschnitt aus dem Auktionskatalog  einer namhaften Österreichischen Auktion.

Die hier angebotenen angeblichen Doppeldrucke sind schon einige Jahre auf dem Markt und mir nicht unbekannt. Beispielhaft zeigt Bild 2 sehr gut die Unterschiede zwischen dem Originalbild der Eiskunstläuferin MiNr. 4916 und dem gefälschten angeblichen Doppeldruck.

Bild 2. Oben Detail der echten Marke MiNr.4916  unten Detail des gefälschten angeblichen Doppeldrucks.

Es möge verschiedene Ursachen für einen Doppeldruck geben, aber das Druckbild des ersten Druckes darf nicht wesentlich vom  zweiten, den „doppelten“ abweichen. Auf Bild 2 und 3 sehen wir aber ganz deutliche Unterschiede der beiden Drucke.

Bild 3. Detail des angeblichen Doppeldrucks des Eisschnellläufers auf MiNr. 5346 (Auktionslos 224).

Auf dem Detailausschnitt des Gesäßes des Läufers (Bild 3) sehen wir oben das typische Druckbild des Originals im Rastertiefdruck. Der Winkel der Raster des Läufers stimmt mit dem der grauen Umgebung überein.

Im unteren Bildteil sehen wir den gefälschten angeblichen Doppeldruck mit der groben „Rasterung“, deren Winkel vom grauen Hintergrund deutlich abweicht.

Liebe Leser, all das erkennt man schon mit einer guten Lupe! Den Prüfer benötigt man in solchen Fällen höchstens zum Nachweis der Fälschung, wenn sich der Verkäufer bei der Rückerstattung des Kaufpreises uneinsichtig zeigt.

Zur Ehrenrettung des Auktionshauses, das gleich fünf Lose mit diesen verfälschten Doppeldrucken anbot, muß ich sagen, daß diese Lose nach meinem Hinweis sofort zurück gezogen wurden. Aber, wie ich hörte, war mir der Einlieferer böse und wollte Beweise sehen, da er diese Stücke wohl vor längerer Zeit bei einer bekannten Auktion gekauft hat. …

Ganz aktuell sind die folgenden Bilder aus einer

anderen Auktion, die neben einigen mittleren Werten unseres Sammelgebiets fünf „bisher nicht katalogisierte“ Farbabweichungen zu Preisen zwischen 40 und 60 Euro anbietet (Bild 4).

Fehlfarbe gelb und lila

Fehlfarbe lila

Fehlfarben gelb und rosa

Fehlfarben mattgelb und violett

Bild 4 – VERFÄLSCHTE Marken Sowjetunion

In meinem Artikel in Heft 112 hatte ich schon einige mir vorgelegte angebliche Farbabarten beschrieben.

Auffällig ist, daß bei den Marken auf Bild 4 die angeblichen Fehlfarben alle ein ähnliches Farbspektrum aufweisen. Ohne, daß ich mich bisher näher mit diesem Thema befasst habe, liegt der Ursprung dieser Verfälschungen in der Anwendung bestimmter Chemikalien, Dampf oder Bestrahlung.

Sowohl die angeblichen Doppeldrucke als auch die „Fehlfarben“ wurden seit ihrem Erscheinen vor 40-60 Jahren in keinem seriösen deutschen oder russischen Briefmarkenkatalog registriert. Auch das sollte einem potentiellen Käufer zu Denken geben! 

Zum Schluss noch eine Fälschung, die ich nach wie vor sehr oft in Auktionskatalogen sehe:

Bild 5 – Fournier – Fälschung mit Falschstempel „KOBHO / 8  ИЮH.  1889“

Fourniers Fälschungen waren für die „weniger betuschten Kunden“ bestimmt, die sich die echten Raritäten nicht leisten konnten. Heute werden diese Marken, sofern sie seinerzeit nicht unübersehbar mit „FAUX“ gekennzeichnet wurden, meist als echt angeboten.

In der Regel sind die echten MiNr. 38/39  schlecht gestempelt. Die auf Bild 6 abgebildete echte Marke bildet da schon fast eine Ausnahme. Aber gerade die schönen Stempel der Fornier-Fälschungen verleiten immer wieder Sammler, sie als echte Schmuckstücke – ungeprüft – für  ihre Sammlung zu erwerben.

Übrigens habe ich bereits in Heft 105 unserer Zeitschrift im Jahre 1916 die Unterschiede zwischen echten und gefälschten MiNr. 38/39 ausführlich beschrieben.

Bild 6 – Sehr schön in St. Petersburg gestempelte echte MiNr. 38