Dr. Wolfgang Leupold

Prüfer für russische und sowjetische Philatelie

OSTROPA 2021 wirft ihre Schatten voraus

Dr. Vygintas Bubnys, Dr. Wolfgang Leupold

Seltene Litauische Vertragsstaatenpost, über die im Ausstellungskatalog berichtet wird. 

Es ist vorgesehen, daß sich jedes Teilnehmerland der OSTROPA im Ausstellungskatalog mit einem Artikel vorstellt. Der Kommissar Litauens hat ein philatelistisch sehr interessantes Thema gewählt, die Vertragsstaatenpost seines Landes mit Luftschiff LZ 129 Hindenburg nach Nordamerika aus dem Jahre 1936.

Bei Recherchen im Litauischen Staatsarchiv fand der Autor das Rundschreiben Nr. 76 vom  30. April 1936, in dem das Litauische Ministerium für Kommunikation darüber informiert, daß es ab 3. Mai 1936 Direktflüge zwischen Deutschland und Nordamerika geben wird, zu denen auch von Litauen aus Postsendungen aufgeliefert werden können. Im Rundschreiben waren für die ersten 3 Nordamerikafahrten die genauen Daten genannt, bis zu denen die Postsendungen spätestens in Kaunas aufgeliefert werden müssen. Außerdem waren die unterschiedlichen Portosätze für Post nach den USA, Kanada oder Mexiko aufgeführt. Tatsächlich wurde auch Litauische Post auf den ersten drei Nordamerikafahrten des Jahres 1936 befördert.

Die Informationen für die folgenden drei Nordamerikafahrten des LZ 129 des Jahres 1936 erreichten die Litauischen Postämter nur noch per Telegramm. Möglicherweise ist das ein Grund dafür, daß zu diesen Fahrten so gut wie keine Litauische Post aufgeliefert wurde. Im Michel Zeppelin- und Flugpost-Spezial-Katalog ist zumindest keine Zuleitung aus Litauen aufgelistet.     

Der Sammelleidenschaft des Autors ist es zu verdanken, dass er doch zwei Beleg mit Litauischer Fankatur gefunden hat, die auf der 5. und 6. Nordamerikafahrt des LZ 129 befördert wurden. Einen davon möchten wir heute vorstellen.

Im Telegramm Nr. 150 vom 15.06.1936 hieß es, dass Litauische Postsendungen für die Luftschifffahrt am 5. August 1936 spätestens am 4.8.1936 bis 9 Uhr auf dem Hauptpostamt Kaunas eingeliefert werden müssen. Der abgebildete Brief trägt einen Einschreib-  Numerator-Stempel und den Aufgabestempel des Postamtes Kaunas „Central“ vom 4.8.1936. Er wurde mit Luftpost von Kaunas nach Frankfurt /Main gesendet und erhielt auf dem dortigen Flug- und Luftschiffhafen Rhein-Main am 5.8.36 um 18 Uhr einen Ankunftsstempel. Kurz danach um 19.29 Uhr hob das Luftschiff LZ 129  in Frankfurt ab zur Fahrt nach Lakehurst, wo es  drei Tage später, am 8.8.1936 um 22.25 Uhr landete.   


Einzig bekannter Brief aus Litauen, der mit der 6. Nordamerikafahrt 1936 des Luftschiffes LZ 129 Hindenburg nach Nordamerika befördert wurde

Der Brief trägt handschriftlich die erforderliche Aufschrift „Mit Luftschiff nach Nordamerika“ und den Litauischen Luftpostklebezettel sowie den speziellen Bestätigungsstempel für die 6. Nordamerikafahrt in Rotlila. Das Porto für den mehr als 20g schweren Brief berechnet sich wie folgt: 60 Centu für den Auslandsbrief bis 20 g, 35 Centu für die nächste Gewichtsstufe, 60 Centu für das Einschreiben und 10 Litas 80 Centu für die Beförderung mit der Hindenburg (3 x 3,60 Litas je 10 g). Absender des Briefes ist der bekannte litauische Maler Algirdas Jakševičius, der die zur Frankatur genutzten Briefmarken zu 3 Litas entworfen hat.


Ausschnitt aus der Briefrückseite mit Absenderangabe „Alg. Jakševčius“ und Ankunftsstempel New York.

Der bisher einzig bekannte Litauische Brief, der mit dieser Fahrt befördert wurde, trägt rückseitig einen Transitstempel vom 8.8. und den Ankunftsstempel New York vom 9.8.1936.